Halo: Geister von OnyxExklusive Leseprobe Autor: Marc 17.726 Hits |
13. März 2007 13:49:41 Uhr |
Wenn demnächst mit "Geister von Onyx" der vierte Halo-Roman auf deutsch erscheint, legen viele Fans den Controller zur Seite, um sich mal wieder mit einem Buch zu beschäftigen. Um die Wartezeit bis zum Release ein wenig zu verkürzen, präsentieren wir euch hier mit freundlicher Unterstützung des Panini Verlags eine erste exklusive Leseprobe des Buches.
Halo Band 4 - Geister von Onyx
Kapitel 1
1135 Stunden, 3. Juli 2545
(militärischer Kalender)
51 Pegasi-B System, Ziel: Apache-Gebiet
Planet Pegasi Delta
Die Kapsel schlug auf, Metall glühte…und zerbarst. In seinem Kokon aus Titan, bleierner Schutzbeschichtung und Tarnanstrich beobachtete SPARTANER-B292, wie vor seinen Augen schwarze Sterne explodierten.
Er schmeckte Blut auf seiner Zunge. Die letzte Luft entwich ihm aus den Lungen.
Toms harter Drill begann sich auszuzahlen: Er stieß die verbogene Tür der Kapsel auf und blinzelte in grellblaues Sonnenlicht.
Etwas stimmte nicht. Eigentlich sollte 85 Pegasi-914A eine lichtschwache gelbe Sonne sein. Diese hier aber war elektrisch blau, wie heißes Plasma.
Er sprang zur Seite, als die Explosion über ihn hinwegfegte. Die äußeren Schichten seiner Rüstung dampften und schälten sich ab wie Haut bei einem schweren Sonnenbrand.
"Euer Training muss in eure Instinkte einfließen. Übt solange, bis es Teil eures Körpers wird!", pflegte sein Ausbilder, Lieutenant Commander Ambrose, zu sagen.
Tom reagierte, ohne nachzudenken; lebenslanges Training steuerte seine Instinkte. Er brachte das MA5K-Sturmgewehr in Anschlag, hielt es tief und feuerte in Richtung des Plasmablitzes.
Erst als sich sein Blick geklärt und er seine Waffe nachgeladen hatte, warf er einen Blick auf die Oberfläche des Planeten. Sie sah aus wie die Hölle - rote Felsen, ein orange vernebelter Himmel. Tom war umgeben von den Narben Dutzender Einschläge, Kraterwülsten, und dreißig Meter entfernt sah er das im Sand versickernde Jackal-Blut.
Tom klappte seinen Zusatzarm aus und näherte sich vorsichtig den gefallenen Außerirdischen. Es waren fünf, und sie wiesen großflächige
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Wunden an den unteren Extremitäten auf. Dennoch schoss jedem noch einmal sicherheitshalber in den merkwürdig eckigen, geierartigen Kopf, erst dann ging er in die Hocke und entfernte ihre Plasmagranaten und Schutzschilde.
Obwohl Tom eine vollständig ausgestattete Infiltrationsrüstung trug, konnten deren gehärtete Metalle und die photosensitiven Konsolen nur wenige Treffer einstecken, bevor sie ausfielen. Das Tarngewebe seiner Rüstung stabilisierte sich jedoch rasch wieder, und sofort verschmolz er erneut mit der hügeligen Umgebung.
Tom hatte, wie jeder SPARTANER III, während seiner Ausbildung ein umfangreiches Training im Umgang mit feindlicher Hardware durchlaufen, deshalb konnte er improvisieren. Er befestigte einen der gegnerischen Schutzschilde an seinem Unterarm. Solange man sich duckte und die Beine abdeckte, boten diese Abschirmungen einen exzellenten Schutz, für größere UNSC-Soldaten waren sie allerdings nur sehr beschränkt geeignet.
Das grünlich schimmernde Display erwachte zum Leben. Hundert Kilometer über ihm war der baseballgroße Stealth Tactical Aerial Reconnaissance Satellite - ein getarnter Lufterkundungssatellit, kurz STARS genannt - auf Sendung gegangen. Ein einzelner blinkender Punkt erschien, derToms Position darstellte. Er war fünf Kilometer südlich von seinem Hauptziel entfernt gelandet.
Er suchte den Horizont ab. In der Ferne hob sich auf der felsigen Oberfläche die Fabrikstadt der Allianz mit ihren riesigen Schornsteinen und pulsierenden blauen Plasmaringen wie ein gigantisches, rostüberzogenes Schloss ab. Jenseits der Fabrik lag das lavendelfarbene Ufer eines giftigen Sees.
Weitere Punkte erschienen auf dem Display, ein Dutzend, zwei Dutzend … schließlich waren es mehr als hundert. Der Rest der Beta- Kompanie war eingetroffen. Genau genommen 291 Spartaner. Neun hatten es nicht geschafft, waren entweder beim Wiedereintritt in die Atmosphäre, beim Aufschlag oder von feindlichen Truppen getötet worden, noch bevor sie ihre Kapseln verlassen konnten.
Nach Abschluss der Mission würde er die Dienstliste überprüfen, um festzustellen, wer gefallen war. Doch im Moment schloss er solche Gedanken in eine dunkle Kammer seiner Seele ein.
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Tom seufzte erleichtert, als er auf seinem Bildschirm acht X-Symbole, die für die Black Cat-Gefechts- und Erkundungsfahrzeuge standen, kurz aufblinken und dann wieder verschwinden sah. Nach Abschluss der Operation TORPEDO würden sie die einzige Möglichkeiten sein, diesen Planeten zu verlassen.
Ein Text erschien auf seinem Display: "Team Foxtrott rückt auf Vektor Null Acht Sechs vor und stellt Flankenschutz für Team India." Eine Antwort war nicht nötig. Die Befehle wurden von STARS über ihnen ausgesandt, und jeder Bruch der Funkstille würde ihre Position verraten.
Drei der Punkte auf seinem Bildschirm blinkten auf, und kleine Nummern erschienen. B091 war Lucy, B174 war Min und B004 stand für Adam. Seine Freunde. Das Einsatzteam Foxtrot.
Tom bewegte sich vorwärts, fand einen großen Felsen und versteckte sich hinter ihm, um auf seine Truppe zu warten.
Er konzentrierte sich auf seinen Auftrag und versuchte sich nicht von seinem rasenden Herzschlag ablenken zu lassen. Ein weiteres Mal überdachte er Operation Torpedo. Pegasi Delta war ein Stützpunkt mit einer Fabrik der Allianz. Die Ozeane auf dieser winzigen Welt enthielten viel Deuterium und Tritium, das in ihren Plasmareaktoren verarbeitet wurde. In der Fabrik wurden diese Stoffe weiter angereichert, um ihre Schiffe damit zu betanken.
Diese feindliche Anlage am Rand des UNSC-Territoriums wurde damit zum vordringlichen Ziel, da der Feind von hier aus leichten Zugang auf den von Menschen besiedelten Weltraum hatte.
Es hatte schon eine ganze Reihe von Versuchen gegeben, dieses Ziel auszuschalten. UNSC-CENTCOM hatte aus dem Slipstream nukleare Raketen abgeschossen. Das Plutonium gab jedoch Chernkov-Strahlung Beim Wiedereintritt in den normalen Raum ab, was alle Tarnungsbemühungen zunichte gemacht hatte. Die Allianz hatte alle Raketen frühzeitig entdeckt und vernichtet.
Ein langsamerer Nuklearangriff aus dem Normalraum hätte ebenso wenig Sinn gemacht, da sich einfach zu viele Allianzschiffe gleichzeitig um den Mond bewegten. Eine reguläre Invasion oder gar der Einsatz der Helljumper-ODSTs waren indiskutabel. Die UNSC hatte nur einen
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Versuch, um die Fabrik zu zerstören, bevor der Feind seine Abwehrkräfte massiert aufbieten würde.
Und hier kamen sie ins Spiel.
Die dreihundert Spartaner der Beta-Kompanie waren vor sieben Stunden von der All Under Heaven in den Slipstream befördert worden.
Sie hatten einen kraftraubenden Weg hinter sich, waren ungeschützt wieder in den normalen Raum eingetreten und dann brennend wie ein Komet zur Oberfläche von Pegasi Delta niedergegangen.
Aus dem freundlichen Willkommensgruß der fünf Jackals schloss Tom, dass sie entdeckt worden waren. Wahrscheinlich aber ahnte die Allianz noch nichts vom wahren Ausmaß des Angriffs. Sie würden schnell handeln und jedes noch verbliebene Überraschungselement nutzen müssen, damit der Plan gelang, die Fabrik - und falls möglich auch die sekundären Ziele wie Munitionsdepots und Methanreserven - in die Luft zu jagen.
Sie konnten es noch immer schaffen. Sie mussten einfach. Die Zerstörung dieser Anlage bedeutete, dass sich die Länge der Nachschubwege vom Allianz-Gebiet zum UNSC-Territorium verdreifachen würden.
Hierfür hatte Tom seit seinem sechsten Lebensjahr den Drill ertragen. Aber waren die Jahre der Entbehrungen, der Kriegsspiele und schulischen Ausbildung wirklich ausreichend gewesen?
Kies knirschte neben ihm. Das Gewehr im Anschlag wirbelte er herum und sah Lucy.
Jeder SPARTANER III sah in der halbautomatischen Infiltrationsrüstung gleich aus. Das eckige, bewegliche Design der SPI-Rüstung war je zu einem Teil Panzerung, taktische Ausstattung und Chamäleon- Anzug. Tom konnte Lucy nur an ihren kurzen vorsichtigen Schritten wahrnehmen.
Er machte die "zwei Finger über dem Visier"-Geste, den uralten Willkommensgruß der Spartaner. Sie reagierte mit einem knappen Nicken.
Tom reichte ihr einen Jackal-Schild und zwei Plasmagranaten.
Als Nächster traf Adam ein, zehn Sekunden später.
Nachdem alle ihre Schutzschilde überprüft hatten, gab Tom mit einigen kurzen, präzisen Handbewegungen den Befehl, in einer Bogenformation loszumarschieren. Unauffällig, aber so schnell wie möglich.
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Plötzlich erzitterte der Boden. Feuer blitzte am Himmel auf, ein Schatten zog vorbei und verschwand. Zwei tränenförmige Allianz-Maschinen dröhnten über sie hinweg.
Eine Plasmawand brach einhundert Meter hinter ihnen auf, ein Inferno, das Toms Team geradewegs entgegenraste. Tom sprang schnell zur Seite, aktivierte seinen Jackal-Schild und hielt ihn den dreitausend Grad heißen Flamen entgegen, die sonst seine Rüstung wie Butter geschmolzen hätten. Das Kraftfeld begann weiß zu flackern und die Haut auf seinen Handflächen warf Blasen.
Das Plasma raste über sie hinweg, wurde dünner und verpuffte schließlich. Die Luft kühlte ab.
Die feindliche Luftunterstützung war bereits im Einsatz. Das machte die Situation hundertmal schlimmer.
Blinzelnd schaltete Tom die Warnanzeige des Bildschirms von TACMAP Auf TEAMBIO um. Blutdruck und Puls aller Mitglieder von Team Foxtrot waren hochgeschnellt. Doch alle Anzeigen waren grün. Sie lebten. Gut.
Er rannte los. Tarnung hatte nun keine Priorität mehr. Das Einzige, was jetzt noch zählte, war die Fabrik zu erreichen, wo man sie nicht unter Feuer nehmen konnte.
Lucy, Adam und Min schlossen sich ihm an und sprinteten, fast dreißig Kilometer pro Stunde schnell, mit langen kraftvollen Schritten über das Gelände.
Rote Ovale tauchten auf Toms TACMAP auf: ein weiterer Angriff der Allianz. Mehr als beim ersten Mal. Drei … sechs … zehn … Tom blickte nach beiden Seiten und sah seine Kameraden. Hunderte rannten über den aufgerissenen Boden. Der Staub ihrer Schritte vermischte sich am Himmel mit den Schwaden der Plasmaattacken.
Drei Spartaner blieben zurück, drehten sich um und brachten M19-B SAM-Raketenwerfer in Stellung. Sie feuerten. Die Raketen schnellten nach oben und zogen lange Rauchschwaden hinter sich her.
Die erste prallte gegen den Schild eines herannahenden Schiffes.
Sie explodierte, beschädigte das Schiff zwar nicht, ließ es aber mit seinem Nachbarn kollidieren. Beide Schiffe taumelten zunächst, verloren fünfzig Meter an Flughöhe, fingen sich dann wieder. Ihre Flügel
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aber hatten schon den Boden berührt, was dazu führte, dass ihre bereits geschwächten Schilde versagten und sie in einem Feuerball vergingen.
Auch die beiden anderen Raketen schlugen in ihre Ziele ein, ließen deren Schilde aufglühen, konnten aber sonst nichts anrichten. Die beiden Schiffe brachen ihre Angriffe ab.
Ein kleiner Sieg.
Tom fiel in einen langsameren Trott und konnte beobachten, wie die sechs verbliebenen Schiffe sich neigten, ihre Plasmaladungen abfeuerten, dann aufstiegen und im Staub verschwanden.
Die Plasmaladungen kamen Tom wie lang gezogene, mit kochenden Licht gefüllte Edelsteine vor. Als sie den Boden berührten, explodierten sie mit einer Geschwindigkeit von dreihundert Kilometern in der Sekunde, angetrieben von der Hitze und Wucht des Aufpralls.
Links bemerkte Tom eine Feuerwand. Sie ließ die Tarnelemente seiner Rüstung blau und weiß aufleuchten. Aber er bewegte sich nicht. Er beobachtete wie versteinert, wie die anderen fünf Flammenherde große Gruppen von Spartanern einschlossen.
Die immer noch kochenden Plasmaeruptionen ebbten endlich ab. Die Rauchwolken kühlten sich zu einem dunklen Nebel ab und hinterließen verkohlte Knochen auf gläserner Erde.
Auf seiner TACMAP erloschen zahlreiche Punkte.
Lucy sprintete in Toms Richtung. Ihr Anblick holte ihn zurück in die Gegenwart, und er rannte los. Später würde er genug Zeit für Angstgefühle haben. Und für Rache. Ja, wenn sie diese verdammte Fabrik in die Luft gejagt hatten, würden sie blutige Rache nehmen!
Tom wandte seinen Blick von der TACMAP in seinem Helm ab und betrachtete ihr primäres, jetzt nur noch fünfhundert Meter entferntes Ziel.
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